So ist auch das regelmäßige Gebet in der Markuskapelle geprägt
von schlichter Einfachheit. Einmal im Jahr erhellt eine Nacht der Lichter
das Gebet, das aufgrund der vielen Teilnehmer im Dom von Altenberg stattfindet.
Es ist ein Gebet in Freude über Jesus Christus, der unsere Hoffnung
ist, der das Licht ist, das die Finsternis erhellt. Er ist es, der jeden
Menschen einlädt, die Liebe Gottes zu erfahren. Jeder Gottesdienstteilnehmer
entzündet seine Kerze am Licht aus Betlehem.
Das Licht, das in diesem Jahr von der 6-jährigen Nadeen Kammar
in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem entzündet wurde und über
den Kölner Dom auch den Altenberger Dom erreichte, will deutlich
machen, dass Jesus Christus zu uns gekommen ist, um allen Menschen auf
Erden den Frieden zu bringen, denn Gott will, dass alle Menschen glücklich
sind, selbst in den dunklen Stunden. Oft ist es auch schon zum Zeichen
der Versöhnung geworden, wenn es jemand zu Menschen gebracht hat,
mit denen er zerstritten war.
Das Licht ist aus Betlehem ist kein magisches Zeichen, das den Frieden
herbeizaubern könnte. Es erinnert uns als Symbol vielmehr an unsere
Pflicht, uns für den Frieden einzusetzen. So wie das Licht von
Hand zu Hand weitergegeben wird, müssen wir auch den Frieden von
Mensch zu Mensch wachsen lassen. So wie wir die kleine Flamme sorgsam
behüten, müssen wir auch den Frieden behüten. So wird
das Friedenslicht auch zum Zeichen der Hoffnung.
Diese Nacht wurde von vielfältigen Instrumenten und klangvollen
Gesängen durch den Chor GLISSANDO aus Aachen begleitet. Mehr als
300 Kerzen erleuchteten an diesem Abend den Dom.
Zum Abschluß des Gebetes wurde um Spenden für die engagierte
Obdachlosenarbeit der FranziskanerInnen in Köln gebeten.
(Roland Wagner)
Das Friedenszeichen aus der Geburtsgrotte
Bergische Landeszeitung / Kölnische Rundschau 24.12.2003
Von MICHAEL BIERTHER
07:14 Uhr
ALTENBERG. Mehr als dreihundert Kerzen flackern, dazu erklingt ein „Gloria“.
Es ist eine besinnliche Weihnachtsstimmung bei der Nacht der Lichter.
Ruhig, getragen und schlicht. Weit weg vom Vorweihnachtsstress. Anscheinend
eine Stimmung, nach der sich viele Leute sehnen. Denn das Abendgebet
mit Gesängen aus Taizé, das am Sonntagabend zum dritten
Mal stattfand, lockte weit mehr als dreihundert Besucher nach Altenberg.
Der Dom war voll bis auf den letzten Platz. Mit Kerzen in den Händen
beteten und sangen die Besucher Lieder aus Taizé. Zwischen den
Gesängen wurden geistliche Texte vorgelesen. Zum Beispiel das Vorwort
des Johannesevangeliums.
In dem Text wird Jesus unter anderem als das Licht der Welt beschrieben.
Ein Bild, das die Veranstalter an dem Abend bewusst gewählt haben.
„Mitte Dezember ist ja die dunkelste Jahreszeit“, sagt Roland
Wagner, einer der Organisatoren. „Wir wollen zeigen: Da kommt Licht
auf uns zu, nämlich Jesus Christus.“
Mit diesem Gedanken verbunden ist die Hoffnung auf Frieden. Alle Kerzen
wurden deshalb am Friedenslicht aus Bethlehem entzündet. Einem
Licht, das seit 1986 in der Vorweihnachtszeit auf der ganzen Welt verteilt
wird. Jedes Jahr wird es in der Geburtsgrotte von Bethlehem entzündet.
Über Wien und Köln gelangte es am Sonntagabend auch nach Altenberg,
wo es von Besucher zu Besucher durch die Bankreihen ging.
So wie das Licht, hofften die Veranstalter, solle der Frieden unter
den Menschen weitergegeben werden. Denn Roland Wagner ist sich sicher,
Frieden fängt im Kleinen an: „Man darf nicht erwarten, dass
nur die große Politik für den Frieden zuständig ist.
Sondern man muss sich immer wieder selber fragen: Wie friedfertig bin
ich zum Beispiel im Umgang mit meiner Familie und mit Kollegen“,
findet er. „Das hört sich vielleicht illusionär an. Aber
ich glaube, so kann sich Frieden entwickeln.“
Entstanden ist die Idee für eine Nacht der Lichter eher durch
Zufall. Seit 1995 treffen sich Christen aller Konfessionen einmal im
Monat in der Markuskapelle von Altenberg um gemeinsam zu beten. „Wir
waren vor zehn Jahren in Taizé und wollten diese Form des Gebetes
auch hier zu Hause weiterführen“, erklärt Roland Wagner.
Als vor ein paar Jahren die Markuskapelle renoviert wurde, musste der
Taizé-Kreis in den Dom ausweichen. „Da haben wir uns gedacht:
Wir machen was Großes draus.“ Mittlerweile ist die Nacht
der Lichter eine feste Einrichtung. Im nächsten Jahr ist sie wieder
am vierten Adventssonntag geplant.
(KR)