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Faszination Wasser
Wasser kann als raunender Bach oder tobendes Meer auftreten. Regenwolken bestehen ebenso aus Wasser wie der sprichwörtliche Tropfen auf den Stein. Wasser begrenzt Lebensräume wie z.B. auf einer Hallig in der Nordsee und ist selbst Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Nach den Regenwäldern sind die Wattenzonen der Nordsee oder die Mangrovenwälder Indonesiens die biologisch aktivsten und artenreichsten Zonen der Erde. Wasser gehört für viele Menschen zum Urlaub, etliche Ferientage werden an den Küsten und Seen verbracht. Gleichzeitig arbeiten jedoch unzählige Menschen auf oder am Wasser wie z.B. auf Bohrinseln oder in der Seefahrt. Das Meer und viele Seen sind Nahrungsquelle und speziell Eiweißquelle für Millionen Menschen, aber das Meer ist auch die weltweit größte Müllkippe. Von Chemieabfällen bis hin zu Resten aus der atomaren Wiederaufarbeitung wird alles ins Meer oder die Flüsse gekippt. "Aus den Augen - aus dem Sinn" scheint hier der beliebteste Wahlspruch zu sein. Wo kein Wasser ist, ist kein Leben, immer größere Gebiete der Erde veröden durch eine schleichende Ausdehnung der Wüstengebiete. Leben ist hier auf die geringsten Vorkommen von Wasser angewiesen. Aber auch zuviel kann zum Problem werden "Bangladesh" und "Jahrhunderthochwasser" sind Schlagworte für alle Folgen die aus Veränderungen des Wasserhaushaltes für einzelne Zonen der Erde stehen. All diese Dinge sind landläufig bekannt. Über viele
Themen hören oder sehen wir täglich Berichte in den
Medien. Doch für die meisten von uns ist Wasser
nur das, was im Trinkglas, aus der Dusche oder
dem Gartenschlauch immer zur Verfügung steht.
Doch instinktiv bedeutet Wasser für uns einiges mehr. Die ersten 9 Monate unseres Lebens verbringen wir umgeben von einer schützenden Hülle aus Fruchtwasser. Noch im Alter erwarten wir uns Linderung durch Wasser nach Pfarrer Kneipp. Doch auch im Altertum war Wasser schon von großer Bedeutung. Die meisten Naturvölker haben unter anderem einen Wassergott verehrt und in extra gebauten Tempeln mit Opfern um ständige Versorgung mit dem notwendigen Lebensmittel gebeten. Bis heute wird bei der Taufe mit Wasser die Aufnahme in die christliche Glaubens-gemeinschaft vollzogen. Inzwischen wissen wir einiges mehr vom Wasser,
und sind trotzdem kaum in der Lage den richtigen
Umgang mit dieser Ressource zu pflegen. Rein
physikalisch sind drei Aggregatzustände
unterscheidbar. Doch die Der weltweite Wasserkreislauf gehört zum
Grundwissen an unseren Schulen. Wasser wechselt
ständig zwischen den drei Aggregatzuständen und
ist in einem dauernden Kreislauf gebunden. Dieser
umfaßt die Berggletscher ebenso wie die
Monsunwolken Asiens, die Flüsse Europas wie den
Indischen Ozean. Die hierbei bewegte Wassermenge
ist mit 1.080.000 km³ jährlich geradezu gigantisch,
und würde die gesamte Erdoberfläche mit ca. 3,5m
Wasser bedecken. Doch Um den Kohletagebau durchführen zu können werden alljährlich 1.000.000 m³ Wasser aus Tiefen von bis zu 400-500 Metern direkt abgelassen. Ein Gebiet von ca. 3000 km², größer als das Saarland, fällt so im Westen der Bundesrepublik trocken. Als Kühlwasser für die Energieerzeugung wird mit 28,8 mrd. m³ jährlich vier mal soviel Wasser verbraucht wie in den bundesdeutschen Haushalten. Im Normalfall werden die Flüsse dabei zwar nur
"unwesentlich" erwärmt, doch dies reicht in vielen
Fällen zu einer Verschiebung der Arten aus.
Auch wenn die Haushalte nur den kleineren Teil der
o.g. Menge verbrauchen, mit 140 l pro Kopf und
Tag Wasserverbrauch liegt die Bundesrepublik im
europäischen Mittel. Bei näherer Betrachtung der
Aufteilung wird klar, daß weniger als 30% des
täglichen Wasserbedarfs Trinkwasserqualität haben
müßte. Für den Garten oder die Toilette würde
sogenanntes "Grauwasser", grob gereinigtes
Regenwasser, durchaus reichen. Doch unklare bzw.
bewußt komplizierte Gesetze machen die Nutzung
nahezu unmöglich, auf jeden Fall aber
unwirtschaftlich.
Zu dem immensen Verbrauch kommt noch eine schleichende Vergiftung der Wasserressourcen. Ein Großteil der Stoffe wird direkt über Böden und Luft in den Wasserkreislauf eingetragen. Neben dem Straßenverkehr und der Verbrennung fossilier Energieträger ist ein Hauptverursacher die Landwirtschaft. Durch die Ausbringung von Gülle werden nach neuesten Schätzungen bis zu 50% der Gesamtstickstoffemissionen in Deutschland verursacht. Die gelöste Form des Stickstoffes erleichtert ein Entweichen in die Atmosphäre oder Ausschwemmen mit Regen. Mehr als 70% der als Düngemittel ausgebrachten Stickstoffemenge verbleiben nicht lange genug im Wurzelbereich der Pflanzen um von diesen aufgenommen zu werden. Hinzu kommen weitere Bestandteile z.B. in Form von Schwermetallen. Ein weiteres Problemfeld der industrialisierten Landwirtschaft ist der immense Pestizidverbrauch. Seit etlichen Jahren werden jährlich bundesweit 30.000t "Pflanzenschutzmittel" ausgebracht. Die auf inzwischen rund 250 Wirkstoffen basierenden Mittel sind schwer abbaubar und teilweise nervenschädigend oder krebserregend. Einige dieser Stoffe sind aus diesen Gründen in der Vergangenheit zumindest in Deutschland verboten worden. Trotzdem fertigen deutsche Firmen weiterhin für den Einsatz im Ausland. Ihre biologische Beweglichkeit läßt sich sehr gut an DDT aufzeigen. Obwohl es in der Antarktis niemals eingesetzt wurde, sind bei Messungen an Pinguinen erhebliche Mengen im Fettgewebe festgestellt worden. Unabhängig von der Umweltverträglichkeit sind inzwischen immense Kosten zur Entfernung von Pestizidresten aus dem Trinkwasser aufzubringen. Ist das Pestizid schon für geringe Kosten zu haben, so schlägt die Reinigung pro Kilogramm schon mit mehreren tausend DM zu Buche. Hinzu kommt, daß nur für ca. 40 der genehmigten Stoffe eine funktionsfähige Nachweismethode existiert.
Zur Pestizid Problematik gehören neben der
Landwirtschaft auch die privaten Anwender um z.B.
Garagenwege freizuhalten als auch die Deutsche
Bahn AG. Erst nach längeren Streitigkeiten hat die
DB auf den weiteren Einsatz von Diuron - einem
Blattherbizid - verzichtet um die Gleisstrecken
"Unkraut"frei zu halten. Mehrere 100 t
Diuronhaltige Pestizide jährlich hatten zu
Grenzwertüberschreitungen in gleisnahen Brunnen
geführt. Für die DB AG war und ist bis heute
allerdings kein Zusammenhang erkennbar.
Aber nicht nur das Wasser ist davon betroffen.
Weltweit wird von ca. 750.000 Vergifteten jährlich,
davon mehr als 15.000 tödlichen Verletzungen,
durch falschen Umgang mit Pestiziden ausgegangen.
Mehr als 2/3 dieser Geschädigten leben in der
Dritten Welt.
Doch nicht nur die Landwirtschaft oder Industrie
verschmutzen unser Trinkwasser. An vielen Stellen
werden relativ kopflos Mittel in die Umwelt
gebracht, deren Folgen und besonders die Folgen
von Durchmischungen unbekannt sind. Mehrere
hundert verschiedene Haushaltsreiniger sind auf
dem Markt. Lack und Farbreste, Shampoos und
sonstige Mittel werden im allgemeinen über die
Kanalisation "entsorgt". Doch das Bild ist
trügerisch. Selbst wenn Kläranlagen in der Lage
wären alles was nicht in den Wasserkreislauf gehört
herauszufiltern, kommt nicht alles dort an wo es
hingehört. Nach neuesten Untersuchungen sind mehr
als 30% unseres Kanalsystems marode und
bedürfen einer dringenden Reperatur. Auch wenn
viele Verwaltungen inzwischen reagiert haben, wird
sich diese Aufgabe noch etliche Jahre hinziehen.
Gerade beim Wasser ist der Streit um Grenzwerte
entbrannt. Da kaum Langzeitstudien existieren und
eine Gesundheitsgefährdung derzeit nicht
ausgeschlossen ist, fordern Umweltschützer schon
seit langem eine Verringerung der bestehenden
Grenzwerte. Dies läuft allerdings den Wünschen der
Hersteller zuwider. Letztendlich zeigt sich, daß die
festgelegten Grenzwerte innerhalb nationaler und
internationaler Vorgaben von wissenschaftlichen
Empfehlungen bis zu 100% abweichen (z.B. Nitrat).
Weiterhin können diese in vielen Fällen nicht oder
nur mit großem Aufwand eingehalten werden
können. So sind in über 30% der Rohwässer in
Deutschland inzwischen Nitratbelastungen die den
Grenzwert von 50 mg, und teilweise ein vielfaches
davon, überschreiten.
Die vielen noch bekannte Hauswasserversorgung
wird in den nächsten Jahren in Anbetracht der
steigenden Verschmutzung sicherlich immer weiter
verschwinden. Schon heute fügt sich die
Wasserversorgung nicht mehr so in das natürlicher
Landschaftsbild wie wir es von früheren Kulturen
bewundern können. Wasserversorgung heißt
heutzutage mehrfaches durchmischen verschiedener
Wässer. Immer weiteres Vorstoßen in Tiefe
Grundwasserzonen und verschiedene Versuche den
Boden als natürlichen Filter zu verwenden.
Wasserschutzgebiete dienen dem gleichen Zweck
wie die Entnahme von Uferfiltrat. Die Verweildauer
des Wassers im Boden wird verlängert und somit
entsteht ein längerer Zeitraum zum Abbau von
organischen Substanzen. In der Hoffnung das alles
andere im Filter des Bodens verbleibt, werden die
Strecken nach Tagen Fließdauer bestimmt. Doch
das Prinzip ist auch schon an den natürlichen
Grenzen angekommen. Wasserwerke sind
inzwischen hochtechnisierte Fabriken, die in bis zu
14 Reinigungsstufen Wasser durchmischen,
aufbereiten, entkeimen, Schwermetalle und Pestizide
ausfällen und was sonst noch alles von Nöten ist.
Trotzdem reichen die Ressourcen vielerorts schon
lange nicht mehr aus. Großstädte, in der Regel
sämtlichst an Flüssen gelegen, beziehen ihr
Trinkwasser über hunderte Kilometer aus fernen
Regionen als Fernwasser. Die schleichende
Entwässerung ist nur an wechselnden Arten,
Bodenveränderungen, durch das Absinken des
Grundwassers und Versiegen einzelner Quellen
erkennbar und wird gemeinschaftlich ignoriert.
"Wer Brunnen oder Wasserbehälter ... vergiftet
oder denselben Stoffe beimischt, von denen
bekannt ist, daß sie die Menschliche Gesundheit
zu zerstören geeignet sind, ... wird mit
Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren
... bestraft." (§ 319 StGB)
Entgegen diesem Gesetzestext werden "Brunnenvergifter" heute mit viel zu niedrigen Geldstrafen bestraft, die immer noch billiger sind, als wirksame Maßnahmen zum Schutz und zur Verringerung des Verbrauchs zu finanzieren. An einigen Stellen hat jedoch inzwischen ein
Umdenken begonnen. Die hier vorgestellten
Methoden sind nicht nur umweltverträglicher
sondern sparen den Betreibern in aller Regel auch
Kosten.
Anstatt Straßenbahngleise z.B. mit großem
Pestizidaufwand sauber zu halten, sind
Möglichkeiten entwickelt worden, die Bereiche mit
Gras zu bepflanzen. Eine aufwendige Reinigung
erübrigt sich, und das Bild wirkt um einiges
ansprechender, als vorherige Varianten.
Ein weiteres Positivbeispiel ist die mechanische
Reinigung von Wegen und Plätzen. Auch hier sind
Pestizide durch andere Methoden abgelöst worden.
Mit einer einfachen Bürste können die
entsprechenden Reinigungsarbeiten
umweltverträglicher und kostengünstiger
durchgeführt werden.
Die Faszination Wasser beinhaltet, wie schon anfangs gesagt, immer zwei Seiten beim Umgang mit Wasser. Besonders der zweite und größere Teil des Vortrages hat erhebliche Mißstände gezeigt. Um im Jargon des Wassers zu bleiben: Die sprichwörtlichen dunklen Wolken sind an vielen Stellen in unserer Umwelt zu erkennen. Auch wenn andere Probleme derzeit berechtigterweise mehr in den Vordergrund rücken, sollte besonders der Schutz des Wassers jedem Einzelnen am Herzen liegen.
Dies alles hängt von uns, von Ihnen persönlich ab.
In meinen und den Augen von GREENPEACE
rechtfertigen die Probleme, aber auch die
Möglichkeiten, unterschiedliche Arten etwas für das
Wasser zu tun. Einmal sind Banner und
medienträchtige Aktionen, ein anderes Mal aber
Ausstellungen, Multivisionen oder Diavorträge das
geeignete Mittel.
Literaturhinweise: "Das Wasserbuch", Katalyse e.V. "GEO - Wissen", Wasser-Leben-Umwelt "Rettet das Meer", Heyne Verlag, "Gift-Grün - Chemie in der Landwirtschaft" Kiepenheuer&Witsch "Aquarius I + II", GREENPEACE Studien zum Wasser "Wasserrundbriefe", Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz "Chemie im Haushalt", Öko-Institut Freiburg, Rowohlt-Verlag
© GREENPEACE Gruppe Coburg Lars Hufnagel, Juni 1998 GREENPEACE Gruppe COBURG |