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| Von: | achim-schmitt@web.de |
| An: | Reisemail |
| Datum: | 26.05.02 15:36:29 |
| Betreff: | Tanzanische Fluesse, Malawische Unterwelt , Zambische
Elefanten |
Hi,Hi,
die Zeit rast, wir auch und deshalb ist in letzter Zeit ziemlich viel passiert. Heute
gibt's die Kurzfassung.
Nach der Kili-Besteigung und "Auswandern" im wunderschoenen Usambara-Gebirge
sind wir an die tanzanische Kueste zur Erholung. Dort ist es,wie man es sich vorstellt:
der Sand ist ist fein wie Mehl, das Wasser kaum mehr erfrischend und man muss aufpassen,
dass man nicht von einer Kokosnuss erschlagen wird... alles in alllem ziemlich traumhaft.
Mit war es allerdings ein wenig zu heiss, da es auch nachts kaum abkuehlt.
Auf dem Weg nach Dar es Salaam, der groessten tanzanischen Stadt, haben wir dann unsere
Sammlung an zu fahrenden Untergruenden vervollstaendigt. Geregnet hatte es schon seit 10
Tagen nicht mehr und die Strasse Richtung Kueste wurde uns von verschiedenen Seiten als
"ok" empfohlen. Die ersten 30 von 70 km waren dann auch ok, abgesehen davon,
dass Susi beim Anblick des ersten Sandkorns erstmal ihr Motorrad in selbigen Sand legen
musste. Naja, der Sudan scheint eine Phobie hinterlassen zu haben. Die legt sich nach ein
paar Kilometern zum Glueck wieder...
Irgendwann auf der Strecke tauchten dann Pfuetzen auf. Erst kleine dann immer groessere,
bis wir keine andere wahl hatten als mitten durch zu fahren. Es dauerte nicht lange, bis
ich mit meiner Maschine im Seitengraben stand, das Hinterrad bis ueber die Schwinge in
uebel riechendem Schlamm und wir uns ans buddeln machten. Es war nicht schoen.
Aber mit der Zeit bekamen wir routine im Puetzendurchqueren, die mittlerweile bis zu
knietief waren. Erst mussten wir alle 50m anhalten und durchwaten, um den geeigneten Weg
zu suchen. Den Job nahm uns dann zum Glueck ein klasse tanzanischr Radfahrer ab, der sich
die naechsten 25 km ruehrend unm uns kuemmerte. Dies erleichterte die ganze Situation
sehr, aber die Strasse wurde dadurch nicht besser. Als die Daemmerung hereinbrach, rollten wir auf die Bruecke zu, die 7km vor unserem Ziel einen Fluss ueberquert. 50cm unter der Bruecke floss der Fluss und dahinter war eigentlich nur noch Wasser zu sehen. Warum hat
uns keiner gesagt, dass das Wasser mehr als 10 regenlose Tage braucht um abzufliessen?
Mit dem Auto waere hier nun Schluss gewesen, da direkt hinter der Bruecke ein 1m tiefer
wie breiter Graben gespuelt war. Wir kamen schliesslich mit Hilfe eines Holzbalkens und
diverser Einheimischer gerade so rueber.
Aber keine 200m weiter hatte sich die Kroenung des Tages versteckt: ein kleiner Flussarm, der da eigentlich nicht hingehoert und
sich aber inzwischen huefttief uber die Strasse gegraben hatte und 30 m breit war. Eine
Viertelstunde Inspektion des Untergrundes und der nicht gerade unerheblichen Stroemung
brachte heraus, dass alles nichts hilft - wir muessen Gas geben, losfahren und dann...
naja.
Susi ist mutig als erste los und nach 20m hebelt sie eine Bodenwelle so aus, dass sie
gemeinsam mit Motorrad in die Fluten fliegt. Zum Glueck ist das Ganze natuerlich auch ein
riesen Spektakel fuer die Dorfbevoelkerung und diese sind blitzschnell da, um Susi wieder
aufzuheben. Wie ein Wunder springt die Maschine sofort wieder an und mit vile Gas und
einer huebschen Wasserfontaene gings dann ans rettende Ufer.
Bei mir war's kaum besser, bis auf dass ich mir das Umfallen erspart habe.
Gluecklicherweise, mir kam naemlich in der Aufregung nicht mal der Gedanke, den
Tankrucksack mit Papieren und Fotoapparat vorher abzunehmen...
Klaetschnass und dreckig, aber gut gelaunt und mit einer weiteren neuen Erfahrung kamen
wir dann im dunklen an der Kueste an.
Den Rest von Tanzania haben wir uns fuer das naechste Mal aufgehoben und sind deshalb
schnell nach Malawi. Das ist das Land, bei dem kaum jemand weiss, wo es ist und wenn man im Altas geguckt, sieht man eigentlich nur einen See. Eigenlich ist es auch so, nur dass
das Land doch ein erhebliches Stueck groesser ist, als man meinen mag.
Malawi gehoert zu den aermsten Laendern der Welt, wie auch Zambia, aber als Reisender sind
die Unterschiede kaum wahrnehmbar. Auffaellig war dagegen, dass die Malawis froehliche,
nette Menschen sind. Selten sind wir bei der Fahrt so oft mit erhobenen Daumen begruesst
worden wie hier.
Abwechselnd habe wir uns dann am See und im Gebirge herumgetrieben. Der See ist so
gross und hat hohe Wellen, so dass man sich nach dem Schwimmen automatisch wundert, dass
nichts nach Salz schmeckt. Direkt daneben gehts auf bis zu 1800m hoch und man kann in Nationalparks wandern und Tiere gucken. Nachdem wir nun Ostafrika durchquert, das suedliche Afrika erreicht haben und noch immer keinen Elefanten gesehen haben, sind wir dann auf
fruehmorgendliche Jagd gegangen. Erfolglos, was die Elefanten betrifft.
Schliesslich sind wir nach Blantyre gefahren, dem Wirtschaftszentrum Malawis, um die
ersten und einzigen "Bekannten" auf unserer Reise zu besuchen. Die einzige
afrikanische Adresse, die in unserem Bekanntenkreis aufzutrieben war, war die von Franzis
Schwester Barbara.
Wir fahren also in die Stadtund ich gehe noch zur Bank, die ziemlich voll ist - Susi
bleibt bei den Motorraedern. Irgendwann kommt ein Mann auf mich zu und sagt, ich solle
schnelle rauskommen, da dort Diebe unterwegs seien und der Helm von Susi bereits geklaut
sei. Prima dachte und konnte nicht weg, da der Scheck bereits ueber dem Tresen war mein
Geld dagegen nicht. Geschlagene 10 min. hat's dann noch gedauert, bis ich rausrennen
konnte. Dort finde ich zu meiner Verblueffung eine relaxt ans Motorrad gelehnt lesende Susi. Erst als ich frage, wo Ihr Helm ist, bemerkt si, was los ist. Mit einer unglaublichen Dreistigkeit hat jemand den Helm geklaut, der direkt neben Ihren Fuessen lag und sie hat nichts bemerkt. Zudem haben sie eine Tasche meines Tankrucksacks ausgeraeumt. Dabei kam nichts wichtiges weg, aber der Helm! Ohne Helm geht nun mal gar nichts mehr!
Die Polizei war anschliessend sehr nett und hat uns Hoffnung gemacht, dass wir einen so
aussergwoehnlichen Helm (fuer malawische Verhaeltnisse) evtl. wieder bekommen - aber wann?
Muede, sauer und ratlos sind wir dann zu Barbara und ihrem Mann gefahren, die uns erstmal
mit gutem Essen und ein paar Bier wieder aufgebaut haben. Welch Glueck, dass wir gerade
hier Bekannte besuchen.
Nach ausfuehrlicher Diskussion der Sachlage, beschliessen wir, uns selbst mit der
malawischen Unterwelt vertraut zu machen. Da es hier sonst naemlich nur Helme gibt, die
auch als Pappschachtel Verwendung finden wuerden, ist es tatsaechlich einen Versuch wert,
sich auf dem Schwarzmarkt umzusehen. Uns als Weisse, sind da natuerlich saemtliche
Moeglichkeiten geraubt, da wir sofort auffallen und erkannt werden. Also beschliessen wir,
Andrew loszuschicken, der fuer die Beiden arbeitet.
Und so vergehen eineinhalb Tage intensiver Recherche, Befragungen, Strategiebesprechungen
und Schmiergeldzahlungen. Andrew hat tatsaechlich herausgefunden, dass der Helm zum
Verkauf angeboten wurde und hat Mittelsmaenner gefunden, die bereit sind, den Dieb zu
verraten.
Zu guter letzt, haben wir zwar den Dieb nicht schnappen koennen, aber der grosse Spion
Andrew hat es tatsaechlich geschafft und steht irgendwann mit Susis Helm vor uns. Die
Freude war gross.
Es war Zeit, unsere Gastgeber zu verlassen. Mit vielen interessanten Infos ueber Malawi
und das Leben hier, zwei sehr netten Abenden und neuen Freunden im Gepaeck haben wir die
Beiden gen Zambia verlassen.
In Zambia sind wir erneut auf Elefantenjagd gegangen, im South Luangwa NP. Und
tatsaechlich muessen wir noch nicht mals in den Park,um endlich fuendig zu werden: eine
kleine Elefantenherde zieht, fuer uns richtig praktisch, mitten durch das Camp, in dem wir
zelten. "Voellig normal", sagt man uns, genauso wie die Affen, die uns das Essen
klauen und Hippos, die man permanent grunzen hoert.
Natuerlich sind wir trotzdem noch in den Park und haben neben diversen Antilopen,
Elefanten, Affen, Zebras usw. auch einen Leoparden und Hyaenen bestaunt. Eine wirklich
phantastische Umgebung und ein tolles Leben hier!
Die Zeit treibt uns weiter und so sind wir heute in zambias Hauptstadt, Lusaka,
angekommen. Da es hier nichts, aber auch gar nichts sehenswertes gibt, geht's morgen
gleich weiter gen Victoria Falls, eines der sieben Weltwunder, wie die Afrikaner gerne
sagen.
Ach ja, und dann war da noch unser Fuehrer, der uns auf einer 8 stuendigen Wanderung in
Malawi begleitet hat. Mit nichts in der Hand und nur einer Kleinigkeit in der Hosentasche,
was wie ein Handy aussah, ging er los. Nichts zu trinken, kein Essen. Gut, dachte ich mir,
wenigstens kann er Hilfe rufen.
Auf halber Strecke holt er dann das "Handy" raus, was sich als gemeine
Schuhputzbuerste heraustellt. In aller Seelenruhe beginnt er, mitten im Wald seine Schuhe
zu buersten um sich anschliessend damit durch seine kurzgeschorenen Haare zu fahren. Voll
normal. So setzt jeder seine Prioritaeten...
Ueber ein paar Hintergruende zur Fussball-WM und den neuesten Geruechten waere ich
dankbar. Damit ist die Deutsche Welle naemlich recht sparsam. Und natuerlich will ich
endlich mal wieder wissen, wie es Dir geht. Also schreib mal!
Viele Gruesse aus Lusaka,
Achim
P.S.: Wir fahren jetzt nach Livingstone; und werden voraussichtlich von dort nach
Botswana einreisen und einen Abstecher ins Okavango-Delta machen. Dann geht es weiter in
suedoestliche Richtung gen Sued-Afrika mit Ziel Krueger NP. Von dort werden wir uns an der
Kueste halten bis und bis Capetown fahren. Wir werden dort gegen Ende Juni sein. So viel
fuer die, die es wissen wollten.
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