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Ägypten, Sudan
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Von:susiboxberg@web.de
An:Reisemail
Datum:17.03.02 19:58
Betreff:Ab auf die Piste!

Aleikum Salam zusammen!

Wo waren wir stehen geblieben? In Kairo. Ach, ist das schon lange her, schon gar nicht mehr wahr. Mittlerweile sind wir mitten im Sudan und haben ganz andere Sorgena als Kuehler, Ketten und Kaironesen. Aber alles der Reihe nach, fangen wir an.

Nachdem wir dem Moloch Kairo den Ruecken zukehrten, ging es erst einmal ab in die Wueste. Wir wollten ebenso die konvoi-lastige Nilstrecke umfahren als auch das islamisch-fundamentalistische Assyut vermeiden (wenn man hier im Hotel absteigt, bleibt die ganze Nacht ein Polizist in der Lobby und schuetzt des Fremden Leben). So hatten wir eine 900 Kilometer lange Strecke durch die Libysche Wueste. Schoener Asphalt - aber ansonsten unspektakulaer.

Das Ende dieser Strecke sollte Luxor sein. Muss man gesehen haben - hat sich auch schwer gelohnt. Die sensationellen Graeber im Tal der Koenige sind einfach unglaublich schoen und eindringlich. Wie hier die Farben strahlen, die schon vor 4einhalb Jahrtausenden aufgepinselt wurden! Sensationell und irgendwie irreal. Leider kann man sich fuer die Eintrittskarte nur 3 Graeber ansehen, a bisserl wenig. Aber der Menschen Schweiss ist schlecht fuer den Graeber-Teint, deshalb die Reglementierung. Schade. Auch die "Graeber der Noblen" sollte man nicht versaeumen (sehr schoen das Grab eines gewissen Herrn Seehofer, ode so aehnlich: Die Decke sieht aus wie ein fliegender Teppich). Auch der eine oder andere Tempel blieb von unseren Blicken nicht verschont: Karnak hat mir am besten gefallen. Wir besuchten es abends und konnten es im Licht- und Farbspektakel bewundern, dass es eine Freude war! Solche Saeulen habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Auch dem Luxor-Tempel gebuehrt mein Respekt! Aber nun genug davon. Anmerkung: Luxor koennte so schoen sein, wenn es nur nicht diese furchtbar penetranten Souvenier-Verkaeufer und sonstige Spitzbuben beherbergen taete. Ein Graus. So kommt es, dass man keinem Aegypter Vertrauen schenken moechte, weil sie alle nur eines im Kopf haben: Egyptian Pounds. Sonst nichts. Man wird von vorne bis hinten beschissen. Unschoen. Also nichts wie weg.

Nach Assuan - unserer letzten Station in Aegypten. Ein nettes Staedtchen am Nil nebst Staudamm. Von hier unternahmen wir einen kleinen Ausflug mit dem Bus nach Abu Simbel, wo Ramses II. fuer sich und seine Lieblingsfrau ein recht huebsches Anwesen in den Stein meisseln liess. Das Sensationelle daran: Fuer diesen Tripp sind wir um 3 Uhr aufgestanden!!! Um 3einhalb Stunden im Bus zu sitzen, einhalb Stunden zu besichtigen und dann 3einhalb Stunden wieder zurueck zu fahren. Ebensolchens unternahmen zeitgleich etwa 1000 weitere Interessierte.... Reisen bildet.

Genug. Und ab in den Sudan. Die Fahrt mit der Faehre von Assuan nach Wadi Halfa (Grenzstadt) ging schoen ueber den Nasser See durch die sternenfunkelnde Nacht. Am naechsten Morgen betraten wir nun also das neue Land. Nebenbei: Im Sueden Sudans herrscht seit vielen Jahren Buergerkrieg, deshalb kann nur der Norden bereist werden. Ich war ziemlich nervoes. Von der Strecke Wadi Halfa - Khartoum hatte ich bisher nichts Gutes gehoert. Schotter- und Wellblechpiste, big rocks und jede Menge Sand! Jetzt wurds Ernst. Nachdem alle Papierangelegenheiten erledigt waren, ging es es los. Uaaah! Ich war nicht nur nervoes, ich hatte richtig Angst. Und ich sollte leider recht behalten. Am Anfang gings ja noch, man konnte sich rasch daran gewoehnen, im Stehen zu fahren. Und ich denk noch, na, das geht ja noch. Bis Achim sich zum ersten Mal auf die Fresse legte - er befand sich inmitten einer tiefen Weichsand-Spur. Was der kann, kann ich auch und rumms lag ich auch da. So sollte es leider weiter gehen. 600 Kilometer lang. Immer wieder tiefer Sand, in dem einfach nichts mehr geht. Besonders fies sind ausgefahrene Spurrillen von Autos und Lkws. Geraet man dort hinein, ist sowieso nichts zu machen, weil man die Spur nicht halten kann im Sand. Und will man sie queren, kann es passieren, so wie mir, das man ueber 3 bis 4 springen kann, bei der 5. Spur ist dann Schluss. Hier bin so richtig wie ein wuetender Stier in den Sand geflogen. Huihui!

Das groesste Problem ist nicht der Sturz (man tut sich nicht weh, man faellt schoen weich), sondern der ganze Akt, die Maschine wieder aufzuheben. Das koennen wir aber nur zu zweit. Also heisst es fuer den anderen: Anhalten, Motorrad-Klamotten ausziehen, zurueck- oder vorlatschen, Maschine aufheben, vor- oder zuruecklatschen, Klamotten anziehen, Maschine starten und gucken, dass man moeglichst weit kommt. Und das alles bei 40 Grad Hitze. Kann die Hoelle schlimmer sein? Das mieseste Sandstueck war etwa 19 Kilometer lang! Und lehrte uns wahrhaftig das Fuerchten! Abends waren wir immer sowas von kaputt, das war echte Schwerstarbeit. Trotzdem moechte ich die Naechte in der Wueste nicht missen. Der Sternenhimmel und diese absolute Stille.... Selbst duschen konnten wir in der Oednis. Mit 1einhalb Litern Wasser ging dies wunderbar (wenn man, wie wir 16 Liter dabei hat). Ihr seht, wir habens irgendwie in 7 Tagen geschafft! Und die Motorraeder sind auch noch ganz.

Gastfreundliche <Familie im SudanNatuerlich kamen wir derweil durch viele, viele Doerfer und lernten viele, viele nette Leute kennen. Die Sudanesen sind ein unglaublich herzliches, freundliches Volk, vor allem die Nubier im Norden des Landes. Man kann sagen, sie sind das Gegenteil der Aegypter. Obwohl mit solchen Vergleichen vorsichtig, meine ich dies aufgrund der Erfahrung behaupten zu koennen. Kaum haelt man irgendwo an, kommen die Leute aus den wundeschoenen, sauberen Lehmhaeusern und laden einen zum Essen, zum Tee oder zum Ausruhen ein. Das kam uns sehr gelegen, weil von Restaurants meistens weit und breit nichts zu sehen war. So trafen wir auch Hassan und seine Grossfamilie, der uns manches ueber die Sudanesen erklaerte. Es ist naemlich so, so Hassan, dass die Frauen im Sudan sehr viel arbeiten muessen. "But the men help them. For example, they say nice things to the women." Ja, glaub ichs denn???

Ansonsten sind wir auch hier Objekte der Anstarr-Begierde. Ueberall, wo wir anhalten, sammelt sich eine Horde um einen herum. Doch im Gegensatz zu Syrien oder Jordanien sind die Menschen hier er verhalten stumm. Kaum jemand sagt etwas, sie gucken nur. Aber sehr freundlich und laecheln sehr viel. Ausser manchmal. Da waren zB die 4 Mitbuerger (einer mit einer Axt), die sich einfach auf den Boden hockten und nichts sagten. Sie starrten uns, ruehrten sich nicht vom Fleck, waehrend wir unser Zelt aufbauten. Das war nicht nur belaestigend, das war auch ein bisschen unheimlich (vor allem der eine mit der Axt). Irgendwann, kurz nach dem Sonnenuntergang, zogen sie von Dannen und warden nie wieder gesehen.

Mittlerweile sind wir also seit 4 Tagen in Khartoum und spannen im "Blue Nile Sailing Club" schoen aus. Ein toll gelegener Campingplatz am Nil, Sonnenuntergang inklusive. Leider muss man den ohne das obligatorische Bierchen geniessen: Wer beim Alkoholkonsum erwischt wird, dem drohen 40 Peitschenhiebe! Kein Witz.

Nun geht es weiter nach Aethiopien. Ich gruesse also endlich aus warmen Gefielden und hoffe, von allen zu hoeren und zu lesen. Auch von dir!

Eure Susi

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