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Ägypten, Sudan
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Ein letztes "Marhaba!" Nach rund 50 km stellen wir die Motoren ab. Ruhe. Endlich Ruhe. Wir haben den Moloch Kairo hinter uns gelassen, stehen am Rande der Wueste und sehen in den Rueckspiegeln nur noch die braungelbe Dunstglocke ueber der Stadt. Nach 2 Wochen Laerm und schlechter Luft ist dies eine wahre Wohltat. Nachdem wir nun neue Ketten fuer viel Lehrgeld haben, geht es weiter durch die Wueste. Wir haben uns fuer diese rund 1200 km lange, geteerte Strecke und einen Umweg von 500 km entschieden, um den fundamentalistischen Moslemteil Aegyptens entlang des Nils bis kurz vor Luxor zu umgehen. Gefaehrlich ist die Strecke wohl kaum, aber nervig, da man x Konvois fahren und sich mit uebervorsichtigen, dem Englisch nicht maechtigen Polizisten runaergern muss. Aus der Wuestenstrecke haben wir dann eine Rennbahn gemacht. Das Sudanvisum triebt uns, da wir nur noch zwei Wochen Zeit haben, um in die Hauptstadt Khartoum zu kommen. Und wenn man hier durchrast, ist alles nur bedingt spannend. Die Schoenheit der Wueste erschliesst sich nur, wenn man sich auf sie einlaesst und Zeit mitbringt. So passieren wir 4 mehr oder weniger schoene Oasen, einige faszinierende Felsen und viel wueste Gegend bis wir nach 4 Tagen den Nil und das sagenumwobene Luxor erreichen. Hier holt uns auch der aegyptische Umgang mit Touristen wieder ein. Schnell gehen wir
wieder dazu ueber, alle an uns gerichteten Hallos und How are yous zu ignorieren und
zielstrebig unserer Wege zu gehen. Touristische Ueberlebensstrategie fuer Aegypten koennte man das nennen.
So ein Konvoi ist zunaechst eine lustige Angelegenheit. Man braust gemeinsam mit zwei Kleinbussen und zwei Reisebussen und Polizeischutz vorne und hinten durch die Doerfer und muss sich endlich mal nicht nach dem Weg erkundigen. Nach 20km wird es dann aber ziemlich oede. Und damit das nicht so bleibt, entschied sich Susis Motorrad dafuer, so heiss zu werden, dass wir stehen bleiben muessen. Der Konvoi rauscht an uns vorbei und nur der letzte Polizeiwagen bleibt gezwungenermassen bei uns. In aller Gemuetsruhe bauen wir Susis Motorrad auseinander und fuellen Wasser nach. Susis Kuehler hat inzwischen naemlich ein paar Loecher und brauch regelmaessig Zuwendung. Das Ganze dauert eine halbe Stunde und nach ein paar Kilometern ist der Konvoi wieder eingeholt. Die mussten tatsaechlich alle warten. Allah, damit tun sich die Aegypter was an! In Assuan quartieren wir uns dann im Hotel ein und duerfen unsere Motorraeder in den 5 m breiten Eingangsaum stellen. Ein sehr huebscher Anblick.
Mit der ueblichen Zoll- und Polizeiprozedur verabschiedet sich nun Aegypten von uns.
Und wir verlassen es mit gemischten Gefuehlen. Ein Land voller unglaublicher
Sehenswuerdigkeiten und viel, viel Leben. Zu den landschaftlichen Hoehepunkten sind wir
erst gar nicht gekommen. Aber zugleich ist es auch durch den Tourismus hochgradig versaut. Aber nach allem, was wir hoeren, soll dies im Sudan anders sein.Und bereits auf dem Schiff herrscht ploetzlich eine ganz andere Atmosphaere. Obwohl es, fuer europaeische Verhaeltnisse, recht voll ist, geht es, fuer aegyptische Verhaeltnisse, angenehm ruhig zu. Mit der Zeit komt man mit jedem , der ein paar Brocken englisch kann ins Gespraech und erfaehrt so einiges ueber den Sudan und das Leben dort. Gegen Mittag des naechsten Tages erreichen wir Wadi Halfa, unser Ziel. Nicht gerade einladend wirken die paar mickrigen Haeuschen am Wasser, der halb untergegangene Landungssteg und die leblose Wueste drum herum. Aber nachdem unsere Motorraeder als erstes ausgeladen werden, werden wir herzlichst empfangen. Egal wo wir hinkommen, werden wir unwahrscheinlich offen, freundlich und hilfsbereit empfangen. Ploetzlich haben wir endlich wieder das Gefuehl, man kann sich mit den Leuten ganz normal unterhalten, ohne dass sie nur darauf aus sind, dass wir etwas kaufen. Und langsam passen wir unser Aegypten-Verhalten wieder einem normalen menschlichen Umgang an. Der Sudan ist heiss, oft wunderschoen, sehr arm und hat kaum Asphaltstrassen. Letzteres
sollte die Herausforderung fuer die naechste Woche werden. Bisher waren wir ja allen
Offroad-Aktivitaeten weitestgehend aus dem Weg gegangen. Nun aber lagen
400km Piste vor uns, und zwar mit keinem Weg drum rum. Am naechsten Morgen machten wir dann erst noch die notwendigen Erfahrungen mit der sudanesischen Buerokratie. Reiseerlaubnis und Registrierung waren zu erledigen. So bekommt meist einen guten Einblick in das Leben hier: z.B. gibts so gut wie kein Glas in Fenstern, da es hier praktisch nicht regnet. Gegessen wird morgens Fuul (gestampfte Bohnen, lecker gewuerzt,), nachmittags gibt's Fisch mit Fuul und abends die Reste vom Vor- oder Nachmittag. Das soll nicht abwertend klingen: schmeckt meist richtig gut. Aber es ist einfach. Um 13h brannte so richtig die Mittaghitze, als wir dann endlich losfuhren. Ab hier hatten wir taeglich lockere 40-45 Grad im Schatten (und wo ist hier schon Schatten!) und schwitzen wie die Berserker in unseren Motorrad-Klamotten (aber immer eisern angelassen!). Fuer die 400km Piste haben wir 6 Tage benoetigt, waren an 6 Abenden physisch und mit
unseren Nerven ziemlich am Ende, haben unzaehlige Male die Motorraeder aufgehoben oder aus dem Sand gebuddelt und haben viel, viel gelernt. Um es kurz zu machen: uns ist nix passiert. Einmal bin ich uebern Lenker geflogen und
weich im Sand gelandet. Die kleine Prellung ist schon wieder weg. Susi hat dafuer schon
richtig breite Schultern bekommen vom Aufheben des Motorrades. Die Motorraeder haben echt was mitgemacht, aber gut durchgehalten; keine ernsthaften Schaeden. Dies war die eine Seite dieser Strecke. Die andere handelt von Menschen und Natur. Die Sudanesen (insbesondere die Nubier) haben wir als das unwerfendste, freundlichste und angenehmste Volk empfunden, welches wir bisher kennengelernt haben. Hier gibt es kaum Hotels oder Gaststaetten. Die sind auch nicht noetig, da man staendig von irgendwem eingeladen wird. Unzaehlige Male bekamen wir Tee oder etwas zu essen, wenn wir irgendwo anhielten, um eine kurze Verschnaufpause einzulegen. Aus der kurzen Pause wurden oft 1-2 Stunden wir bekamen tolle Einblicke in das einfache aber faszinierende Leben der Menschen hier. Inzwischen sind wir in der Hauptstadt Khartoum angelangt und versuchen uns zu erholen.
Das klappt nicht so recht, da die Temperaturen tagsueber nur schwer ertraeglich sind. Auch deshalb haben wir bereits auf Ausfluege zu der einen oder anderen Sehenswuerdigkeit
verzichtet und beschraenken Bewegug nur auf die Morgen- und Abendstunden. Aber das ist
nicht so schlimm, da es hier sowieso nicht sooo viel zu sehen gibt. Die letzten zwei Wochen waren die intensivsten, anstrengendsten und schoensten der
bisherigen Reise. Und so naehern wir uns langsam dem "echten" Afrika, dem
Schwarzen. Seid umarmt, P.S.: Wie immer hab ich viel zu viele Fakten und zu wenig Emotionales berichtet. Deshalb zu guter letzt: Susi und ich verstehen uns praechtig! |
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