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Kilimanjaro, Tanzania
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Von:susiboxberg@web.de
An:Reisemail
Datum:09.05.02 13:16
Betreff:Wenn der Berg ruft

Jambo zusammen!

Tropische Gruesse erreichen dich heute aus Dar es Salaam. Ja, wir sind nun an der feucht warmen Kueste des Indischen Ozeans und schwitzen und schwitzen. Wo wir doch letzte Woche noch so schrecklich frieren mussten, oben auf dem Berg.

Und das war so. Unsere Kilimanjaro-Besteigung begann Sonntagsmittags, Schlag 12. Auch hier am Marango-Gate (Beginn der “einfachen”, sogenannten Coca Cola-Route, 1980 m) ist es feucht und warm, wir sind mitten im Regenwald. Bereits nach 3 munteren Stunden sind wir am fruehen Nachmittag am ersten Ziel, der Mandara-Huette (2.700 m). Hier wird es erstmal heisser Tee mit Popkorn serviert – von unsrem Team. Wir haben naemlich 2 Guides und 4 Traeger - anders waere es nicht gegangen und so macht es auch mehr Spass, muss ich sagen. Die Huette, na ja. 4 Matrazen und das wars. Aber wir sind ja hier – obwohl Sonntag ist – nicht auf dem gleichnamigen Spaziergang.

Also weiter (nachdem abends um 18h fuerstlich zu Abend speisen durften). Am naechsten Morgen marschieren wir los, von einer dicken Wolke umhuellt. Es ist ja Regenzeit und so aergern wir uns nicht allzusehr. Heute muessen 11 km und 1000 Hoehenmeter zurueck gelegt werden. Ausgesprochen fit sind wir aber schon nach 4 ˝ Stunden am Ziel, das sich Horombo-Huette nennt. Ausstattung s.u., Hoehe 3.700 m., 19.30h im Bett.

Tag 3. Heute keine Wolke, dafuer Bergwueste. Hier oben waechst nicht mehr viel, es gibt nicht so viel zu sehen – vor allem kein Gipfel unsres Berges. Der ist uebrigens seit Betreten des Landes verschwunden. Aber wir glauben trotzdem, dass er da ist. Nach wiederum 4 ˝ Stunden ist unsere letzte Huette erreicht. Die Kibo-Huette liegt mittlerweile auf 4.700 m. 17h Abendessen, 19h im Bett.

Heute nacht wirds ernst. Um 1 Uhr marschieren wir los. Es ist sternklare Vollmondnacht – einfach wunderschoen und – wie ich gerne mal sage – kafkaesk. Muehsam, aber gehorsam folgen wir dem Ruf des Berges. Pole Pole heisst das Zauberwort: Langsam, langsam mahnt uns unser Fuehrer. Aber, man hoere und staune, wir kommen gut voran, obwohl wir eher wie ein Altersheim auf Urlaub wirken. Hier oben ist die Luft verdammt duenn und ab und zu ueberkommt mich das Gefuehl des Schwindels. Gemachlich stellen wir die Fuesse voreinander und schleppen uns den steilen Gipfel hinauf. Um 6 Uhr haben wir es geschafft: wir sind am Gillman’s Point, der auf 5.680 m liegt. Die Belohnung folgt auf dem Fusse. Ein herrlicher Sonnenaufgang macht alle Strapazen zunichte, sie sind nie dagewesen. Achim hat ein paar Kopfschmerzen (Anklaenge von der miesen Hoehenkrankheit), die vom Ueberschwang der Gefuehle aber an die 2. oder 3. Stelle ruecken.

Doch noch sind wir nicht am Ziel, das noch 300 m hoeher liegt: der beruehmte Uhuru Piek, der hoechste Punkt Afrikas. Wacker stapfen wir duch den Schnee – nach 1 ˝ Stunden sind wir da. Was fuer ein unglaublich schoenes Gefuehl: Wir haben es geschafft!!! Gluecklich liegen wir uns erschoepft in den Armen. Ein gewisses Gefuehl, das man mitunter Stolz nennt, kann ich nicht unterdruecken. Hier oben ist das Panorama einfach sensationell und wir koennen uns kaum satt sehen. Die Muehen Ebenen sind das eine, die Muehen der Berge eben das andere.

Fuer den Abstieg will ich weder Zeit noch Worte verschwenden. Ein unspektakulaeres Unternehmen im Dauerregen mit schoen dicker Luft.

Nun sind wir also in der heimlichen Hauptstadt Tanzanias. Der Weg hierher war allerdings auch nicht ohne. Neben Schnee und Eis, Sand, Schotter und Wellblech fehlte uns bei unserer Pistenerfahrung noch Matsch und Flussdurchquerung. Ihr ahnt es schon. Und tatsaechlich. Ob der Regenzeit steht die Piste nach Bagamoyo (70 km vor Dar) ziemlich unter Wasser. Und so kam es, dass ich an der ersten Riesenpfuetze erstmal scharf bremsen musste. Vorbei ging nicht, nur mittendurch. Also hiess es absteigen und durchlatschen. Gucken, wie tief und beschaffen sie ist. Fuer gut befunden – durch. So ging es bestimmt 40 mal! Gluecklicherweise hat uns der liebe Gott wieder einen Engel auf Fahrrad geschickt. Der junge Mann fuhr vor uns her – in einem Affenzahn,, muss man sagen. Er begutachtete alle Pfuetzen und wies uns die Ideallinie. So, und jetzt kommt der dicke Hund. 10 Meter vor Ende der Tortur liegt sie dick und fett: die Flussdurchquerung. Unter den Augen zahlreicher interessierter Zuschauer und weil es keine andere Moeglichkeit gab, blieb uns nichts anderes uebrig, als tapfer zu sein, die Maschine anzuwerfen, den 1. Gang einzulegen und Gas zu geben. Aber nicht zu viel. Ich, kuehn wie immer, hab es mir natuerlich nicht nehmen lassen und mich auf die Seite in die reissenden Fluten zu legen. Na ja, so reissend waren sie auch wieder nicht und das Wasser etwa 25 Grad (oder mehr) – aber nass. In einer Sekunde war ich von oben bis unten klatschnass. Gluecklicherweise liess mich meine BMW nicht im Stich und sprang unter Wasser brav wieder an. Au manno! What a day! Achim, der mir zu Hilfe kommen wollte, rutschte 2mal aus und sah ebenso begossen aus. Mein Held!

So, genug der Katasthrophen. Was noch zu erwaehnen waere. Der weisse Sandstrand ist kilometerlang, das Meer blau, der Fisch schmeckt ausgezeichnet, die Sonne strahlt ohne Unterlass und es ist ziemlich warm hier. Oft trinken wir Coca Cola oder Fanta mit Passionsfruchtgeschmack, abends trinken wir Bier am Strand und sehen der Sonne beim Feierabend zu. Uns gehts gut. Achim waescht gerade unsere Waesche und spannt die Ketten nach. Und meinen abvibrierten Spiegel macht er auch noch dran, hat er versprochen, der Gute.

Bald geht es nun weiter nach Malawi, Zambia, Botswana und Suedafrika. Aber bis dahin gibt es noch viel zu erzaehlen.

Ich sach dann mal Tschuess zusammen und gruesse auch alle, besonders dich!

Deine Susi

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